Hugo Kükelhaus und Christiane Kling

„Während ihres Studiums im Bereich Industrial Design an der UdK Berlin befasste sich die angehende Leuchtendesignerin und Lichtkünstlerin Christiane Kling im Rahmen eines Seminars zum Thema ‚Design und Ethik‘ intensiv mit der Gedankenwelt von Hugo Kükelhaus. Ein Besuch im Kükelhaus-Museum in ihrer Heimatstadt Soest im Jahr 1991 ermöglichte ihr einen direkten Einblick in den Lebensort des Philosophen und Künstlers und vermittelte ihr einen bleibenden Eindruck von dessen Forschergeist. Diese Auseinandersetzung mit seinem Denken und Schaffen beeinflusst ihre künstlerische Arbeit bis heute – insbesondere im Zusammenspiel von ‚Licht und Bewegung‘, einem kreativen Umgang mit natürlichen Phänomenen sowie in der bewussten Materialwahl für ihre Objekte.“



Der Satz „Leben ist Schwingung“ fasst Hugo Kükelhaus Weltbild zusammen. Für ihn war der Mensch kein statisches Wesen, sondern ein „Schwingungsgefüge“. Er lehrte, dass alles Lebendige – vom Blutpuls bis zur Wahrnehmung von Licht und Ton – auf rhythmischen Prozessen und Resonanz beruht. Kükelhaus zentrale Thesen gelten der ganzheitlichen Gesundheit des Menschen und seines Umfelds sowie die Förderung eines „Organbewusstseins“. Er entwarf etliche Spielgeräte für seine Sinnes Erfahrungsfelder und veröffentlichte viele Bücher und Schriften.
Seine Hauptwerke:
- Entfaltung der Sinne (oft untertitelt mit „Ein Erfahrungsfeld zur Bewegung und Besinnung“): Sein wohl bekanntestes Werk, das die theoretische Grundlage für seine berühmten „Erfahrungsfelder“ bildet.
- Urzahl und Gebärde: In diesem frühen Hauptwerk (1934) setzt er sich mit den Grundzügen eines „kommenden Maßbewusstseins“ und der Verbindung von Zahl, Maß und menschlicher Existenz auseinander.
- Organismus und Technik: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Zerstörung der menschlichen Wahrnehmung durch eine rein technisierte Welt.
- Hören und Sehen in Tätigkeit: Dieses Buch wird häufig als eines seiner populärsten Werke geführt und vertieft die aktive Rolle der Sinnesorgane.
Hugo Kükelhaus
Die schönste Linie nimmt mit vollem Recht die Wirbellinie ein, die sich aus dem Nullpunkt als Kern und Quell durch Drehung sich entfaltet. Das Gemüt wird in wunderliche Bewegung verstrickt während es diese Linie in sich aufnimmt. Wahrnehmung beruht auf einer Spiegelung unserer tiefsten Seelentätigkeit in unserem Bewusstsein. Abends und Morgens auf der Wende zwischen Schlaf und Wachen, beginnt die Seele im weiten Raum zu schweifen und sich wundersam zu regen. So berühren wir uns auch selber von Innen her, während unser Auge auf den Linien ruht. Und eben diese Selbstbegegnung ist es, der die dunklen Mächte im Menschen ausweichen wollen, und sie haben es immer leicht verstanden, den Verstand vor ihren Wagen zu spannen. „Urzahl und Gebärde“ 1934


Christiane Kling
Als Ursymbol fließender Bewegung, in ihrer vom Mittelpunkt ausgehenden Ausdehnung, entspricht die Spirale einer energetischen Quelle. Die aus den Spiralbewegungen entstehenden archetypischen Formen in der Struktur der Natur können überall auf der Erde und im Universum gefunden werden, sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos, und haben Wissenschaftler, Naturforscher, Philosophen, Mystiker und Künstler zu allen Zeiten beschäftigt und fasziniert. „die Spirale“ Youtube
bewegtes Licht

Im Jahr 1991 entstanden neben anderen Gestaltungsideen zu bewegtem Licht die ersten Formexperimente mit rotierenden Lichtwirbeln. Diese Lichtobjekte üben eine faszinierende Raumwirkung aus, was Christiane Kling dazu veranlasste, sie über die Jahre hinweg weiterzuentwickeln und zu perfektionieren. Darüber hinaus entstanden Konzepte für Installationen, mit dem Ziel Räume als begehbare Lichtskulpturen zu gestaltet und atmosphärische Naturprozesse als Erlebnisraum erfahrbar zu machen.
panta rhei

Lichtboot ATMOS

Der erste Ausstellungsort
Christiane Kling ist es eine besondere Freude, dass das Lichtboot zu Beginn seiner Reise im Haus Kükelhaus präsentiert werden konnte. Auch wenn der Raum für das Publikum eigentlich etwas größer hätte sein dürfen, wirkte das Lichtboot eindrucksvoll in der Deele des alten Fachwerkhauses. Der Raum erschien organisch mit all seinen natürlichen Materialien und ohne rechte Winkel. Die Deele wirkte wie eine lebendige Landschaft, durch die das Lichtboot fuhr.
Haus Kükelhaus im Bergenthalpark in Soest


Zu Ehren von Hugo Kükelhaus und seinem Werk, ist die Abendveranstaltung „Hugo und das Boot” von Norbert C. Korte als Film bei Youtube in voller Länge dokumentiert. Dieser Vortrag berichtet über die Hintergründe und die Verbindungen vom Lichtboot und Hugo Kükelhaus.

