Foto: Norbert C. Korte – Deele – Haus Kükelhaus

Christiane Kling: „Seit Kindertagen kenne und liebe ich den Träumling und seine Geschichten, gezeichnet und geschrieben von Hugo Kükelhaus.
Während meines Studiums arbeitete ich in einem Seminar zum Thema „Design und Ethik“. Auf der Suche nach Orientierung zu diesem Thema, begegnete mir die Gedankenwelt von Hugo Kükelhaus zum zweiten Mal.

Als ich in den Semesterferien 1899 in meine Heimatstadt Soest fuhr, besuchte ich dort zum ersten mal das Haus Kükelhaus. Was ich vorfand umfing mich, das liebevoll gestaltete Fachwerkhaus birgt einen eindrucksvollen Teil des Nachlasses, des Philosophen, Künstlers und Handwerkers Hugo Kükelhaus; handgefertigte Möbel, Dinge von Reisen, Texte, Spielgeräte und vieles mehr.

In der Zeit in Soest besuchte ich das Haus Kükelhaus mehrfach und führte viele Gespräche mit Frau Dr. Jörresen, sie betreute damals den Nachlass und den Museumsbereich. Die Gedankenwelt von Hugo Kükelhaus berührte mich. Da auch ich ein gutes Stück Handwerk schätze und selber aus einer Handwerksfamilie stamme, war es mir möglich leicht Zugang zu Hugo Kükelhaus Werken zu finden. Seinen Gedanken Dinge erhalten zu wollen und dem Trend des Wegwerfverhaltens entgegen zu wirken, kann ich gut nachfühen, weshalb ich wohl auch ein Freund von Einzelstücken und Kleinserien von Designprodukten bin.

Eine meiner ersten Spiral-Lichtspiele von 1991

Seine Erfahrungsfelder für die Sinne und seine Bücher: „Dennoch Heute“, „Unmenschliche Architektur“, „Organismus und Technik“, „ Urzahl und Gebärde“, inspirierten mich. In der Auseinandersetzung zu Kükelhaus Anregungen entstanden neben anderen Gestaltungsideen, die ersten Formexperimente von bewegten Lichtspiralen.
Deshalb war und ist es mir eine besondere Freude, dass ich mein Lichtboot zu Beginn seiner Reise im Haus Kükelhaus zeigen konnte.

Da dies meine dritte inhaltliche Begegnung mit Hugo Kükelhaus wurde und bekanntlich alle guten Dinge drei sind (Drei=Dreh) , entspricht dieses Zusammenfinden der schönen Wirbellinie der SPIRALE.“

Mehr zu Hugo Kükelhaus

Im April 2017 entschied sich die Hugo Kükelhaus Gesellschaft Soest e. V. die Realisierung des Lichtbootes zu fördern.

Besuch einiger Mitglieder der Hugo Kükelhaus Gesellschaft Soest am 3. November 2018

Jürgen Münch – Vorsitzender der Hugo Kükelhaus Gesellschaft Soest e. V. schrieb folgenden Beitrag zum Logbuch:

Nachdem das Kulturparlament Soest Anfang 2017 beschlossen hatte, die Installation von Christiane Kling als eines von zwei Förderprojekten im laufenden Jahr zu unterstützen, ging der Vorstand des Parlaments auf die Hugo Kükelhaus Gesellschaft e.V. zu und fragte nach der Möglichkeit einer flankierenden finanziellen Unterstützung für dieses ja vor allem durch Kükelhaus angeregte und inspirierte Projekt.

1:10 Funktionsmodell

Da die überreichte Ideenskizze von Christiane Kling sehr ansprechend war und es die vielfältigen Bezüge zu Kükelhaus gab, wurde die Künstlerin Anfang April zur Vorstandssitzung eingeladen, zu der sie dann ein Modell ihrer geplanten Installation mitbrachte.

„lebendige Wand“, Zeichnung von Christiane Kling 1998, nach H.K.

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Auch war Christiane Kling in der Gesellschaft bereits vom Namen her bekannt, hatte sie doch schon 1997 für das Architektursymposion in Soest zu Hugo Kükelhaus einen Beitrag für die Tagungsdokumentation mit ihrem Entwurf für eine „lebendige Wand“ beigesteuert.

Das in der Sitzung anhand des Modells vorgestellte Konzept überzeugte die anwesenden Vorstands- und Beiratsmitglieder auf Anhieb. Die Anwesenden waren sich schnell einig, das Projekt finanziell zu unterstützen, vor allem, da das Projekt sehr im Sinne von Hugo Kükelhaus ist, vereint es doch gleichzeitig mehrere für Kükelhaus zentrale Themen. Zum Einen ist da die Spirale sowohl als universelles Phänomen und Urform in der Natur als auch als Motiv und Gleichnis in der Kultur. Zum Anderen bezieht die Installation die Gedanken von Kükelhaus zur Raumwirkung von Licht als räumlich bewegtes Wechselspiel von Hell und Dunkel mit ein. Darüber hinaus beeindruckten die sinnliche Qualität und die meditative Dimension der Installation, kurzum ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung Kükelhausscher Ideen und Gedanken in einem eigenständigen Kunstprojekt. September 2018